Everybodys darling ist everybodys Depp
– Warum Frauen Selbstmarketing für Ihre Karriere brauchen und Dornröschen Schnee von gestern ist! 

Julia Peters

Liebe Frauen da draußen,

als Karriere Coach für Eltern und junge Frauen geht es in vielen meiner Coachings darum, wie der nächste Karriere-Schritt getan werden kann oder warum frau vermeintlich vom Chef übersehen wird oder im Wettrennen mit Kollegen den Kürzeren zieht. Bei den Müttern (nach dem Wiedereinstieg wegen Kinderpause) geht es sehr oft darum, Erwartungen an sich selbst oder Erwartungen von anderen bedienen zu können. Latent ist dann immer ein Gefühl vorhanden, nicht alles leisten zu können und niemandem gerecht zu werden. Resultat: Eine dauerhafte Unzufriedenheit mit sich selbst.

Faktisch sind wir Frauen so gut ausgebildet wie noch nie – die Abgangszahlen der Universitäten belegen das eindrucksvoll. Aber bis oben kommen nicht wirklich viele von uns. Da ist von der berühmten gläsernen Decke die Rede, von fehlenden Modellen, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht. Sheryl Sandberg, COO von Facebook schrieb vor einigen Jahren Ihren Bestseller Lean In: Ein Aufruf an (junge) Frauen, sich einfach reinzuhängen und nicht zu warten, bis man vielleicht entdeckt wird. Daraus entstand eine weltweite Bewegung von mittlerweile mehr als 37.000 Zirkeln, in denen Frauen sich regelmäßig zur gegenseitigen Unterstützung treffen (www.leanin.org). Die Gründe, warum es noch lange nicht so viele Frauen wie Männer an den wichtigen Stellen gibt, sind sicher zahlreich. 

Was ich aber in meinen Coachings sehr oft erlebe ist, dass Frauen einfach sehr zögerlich reagieren, wenn es darum geht, gut von sich zu reden, zu zeigen, was sie Gutes gemacht haben.

„Sei wie das Veilchen im Moose, sittsam bescheiden und rein. Und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.“ Dieser Satz, früher einmal für das Poesiealbum gedacht (wer kennt es noch?), scheint uns irgendwie anzuhaften. Die meisten Frauen, mit denen ich über Selbstmarketing rede, finden alle, dass das per se eine super Idee ist und dass sie hierbei dringend mehr machen müssen. Und tatsächlich: Untersuchungen zufolge hat unsere Fachkompetenz gerade mal 10% Anteil daran, ob wir weiterkommen oder nicht. Image trägt weitere 30% und Sichtbarkeit sogar riesige 60% dazu bei (Quelle). Selbstmarketing sorgt für Sichtbarkeit! Es wäre das logischste von der Welt, einfach zu machen.

Am Anfang steht immer die Erabeitung eines eigenen Selbstmarketing-Konzeptes. Das finden viele Frauen sehr bereichernd – ein Boost für das Selbstwertgefühl! Im Kern steht dabei die Arbeit an und mit den eigenen Stärken. Vielen Frauen wird dann erst so richtig bewusst, was sie alles können und schon geschafft haben. Auch die Übung zum „Elevator-Pitch“ findet regelmäßig eine große Aufmerksamkeit. Hierbei ist die Frage: Wie stelle ich mich kurz und knapp jemand anderem so vor, dass ich im besten Sinne des Wortes „merk-würdig“ in Erinnerung bleibe. Ein guter Satz gibt hier viel innere Stärke, ihn auch tatsächlich auszusprechen.

Es scheint, dass viele Frauen bei dem Thema jemanden brauchen, der sie an die Hand nimmt, der mit ihnen übt und der sie ermutigt, in kleinen Schritten ein bisschen mehr von sich zu zeigen. Selbstmarketing braucht am Ende des Tages auch Mut: Ich zeige etwas von mir, und das könnte auf Ablehnung stoßen und vielleicht sogar andere verärgern. Ist es das? Hindert uns ein verstecktes Harmoniestreben am Schritt zum eigenen Profil? Müssten wir uns etwa dafür schämen, was beim Selbstmarketing zum Vorschein kommt?

Und lasst uns mal einen Schritt weitergehen…könnte es sein, dass es Fachbereiche gibt, in denen die weibliche Zurückhaltung noch mehr kultiviert wird als in anderen? Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Vertrieb und Marketing tendenziell eher nicht dazugehören (wobei es auch dort noch etwas zu tun gibt). HR zum Beispiel hat traditionell einen sehr hohen Frauenanteil. In der HR-Image Studie von Haufe aus dem Jahr 2013 zeichnet sich ein Bild ab, bei dem sowohl MitarbeiterInnen aus anderen Bereichen als auch HR-MitarbeiterInnen sich die Rolle als „strategischer Partner“ oder auch „Change Agent“ zum größten Teil selbst absprechen. Ebenso wird Macht und Einfluss von HR-Bereichen - d.h. die Vertretung in obersten Entscheidungsgremien sowie die Einflussnahme auf wichtige Unternehmensentscheidungen - als eher gering eingestuft. PersonalerInnen sehen sich dort gerne als hilfsbereit, kompetent, vertrauenswürdig und sympathisch. Die Netten von nebenan. Aber nicht einmal das nehmen die MitarbeiterInnen des restlichen Unternehmens laut dieser Studie so positiv wahr. Ist HR der Image-Verlierer in Unternehmen? In meiner Karriere als Angestellte bin ich (danmals tatsächlich etwas ungewöhnlich) vom Marketing-Bereich in den HR-Bereich gewechselt und wurde allen Ernstes hinter vorgehaltener Hand gefragt, was ich denn bei „den Losern“ wolle. Könnte es also sein, dass gerade die fantastischen HR-Frauen viel zu wenig von sich und Ihrer Arbeit zeigen, um ernst genommen zu werden?

„Everybodys darling is everybodys Depp!“ – dieses Zitat wird Franz-Josef Strauß zugeschrieben, dem kernigen Ur-Bayern, der sicher nicht nur Freunde hatte. Und er hat recht. Beliebigkeit und Nettigkeit machen austauschbar. Gefunden und gefördert wird man für Einzigartigkeit und für ein - mitunter auch polarisierendes - Profil.

Dornröschen, der Inbegriff einer wunderschönen, zartgliedrigen und ewig weiblichen Märchenfigur, hat 100 Jahre geschlafen und auf seinen Prinzen gewartet. Dieser hat sie dann mit einem Kuss erlöst. Möchten Sie etwa auch so lange auf Ihre Beförderung oder auf Ihr neues Projekt warten? Und wäre es nicht doch auch schöner, sich aktiv denjenigen auszusuchen, der einen küssen soll? :-)

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Über die Autorin
Julia Peters ist studierte Marketingfrau, HR-Beraterin und seit 2012 selbstständiger Coach und Trainerin. Ihre Trainingsthemen sind Selbstmanagement und Kommunikation. Ihr Coaching-Schwerpunkt ist die Begleitung von Manager-Eltern und jungen Frauen bei der Gestaltung von Karriere und Leben. Julia ist 43 Jahre alt, verheiratet, hat 2 Kinder und lebt zwischen Köln und Düsseldorf.

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